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Rezension: "Maris Märchen" – Ein inklusives Märchenbuch, das Herzen öffnet

"Maris Märchen" ist ein Buch, das weit über klassisches Vorlesen hinausgeht. Es erzählt nicht nur Geschichten – es vermittelt eine Haltung. Genau das macht es so wertvoll.


Wer ist Mari?

Damit der Kern des Buches verstanden wird, lohnt ein Blick hinter die Kulissen: Mari ist nicht einfach eine Figur – sie ist die Tochter der Autor:innen Shari und André Dietz. Bereits im Vorgängerbuch "Ich bin Mari" erzählen die beiden von ihrem Leben mit ihrer Tochter, die mit dem Angelman-Syndrom lebt. Diese seltene genetische Besonderheit führt unter anderem dazu, dass Mari nicht sprechen kann und in manchen Bereichen mehr Unterstützung benötigt.


Gerade diese persönliche Erfahrung fließt spürbar in "Maris Märchen" ein. Die Geschichten entstehen nicht aus theoretischer Distanz, sondern aus echtem Alltag, echter Begegnung und echter Liebe. Dadurch bekommt das Buch eine Wärme, die man beim Lesen sofort merkt.



Die Märchen greifen unterschiedliche Beeinträchtigungen auf – und tun das mit beeindruckender Leichtigkeit. Keine Figur wird bemitleidet oder reduziert. Stattdessen werden Stärken gezeigt, Individualität gefeiert, Vielfalt selbstverständlich gelebt. Die Autor:innen schaffen es, klassische Motive umzudeuten und in eine Welt zu überführen, in der Anderssein nicht trennt, sondern verbindet. Viele der Märchen lehnen sich an bekannte Klassiker an, werden aber liebevoll auf den Kopf gestellt. Aus vertrauten Figuren entstehen neue Heldinnen und Helden mit ganz eigenen Besonderheiten. So zeigen die Geschichten, dass jede Abweichung vom Gewohnten zu etwas Wunderschönem führen kann.




Die Illustrationen sind farbenfroh, humorvoll und voller Leben. Sie unterstreichen die Botschaft der Geschichten auf einfühlsame Weise und geben jeder Märchenfigur eine liebevoll ausgearbeitete Identität. Genau diese Bilder sorgen dafür, dass die Themen nicht schwer wirken, sondern offen, kindgerecht und einladend. Besonders wichtig finden wir die breite Einsatzmöglichkeit dieses Buches. Es richtet sich nicht nur an Kinder, die selbst mit einer Beeinträchtigung leben. Ganz im Gegenteil: "Maris Märchen" eignet sich hervorragend für KiTas, Grundschulen, Horte, soziale Einrichtungen und Familien, die ihren Kindern Vielfalt früh vermitteln möchten. Das Buch öffnet Gesprächsräume, schafft Verständnis und zeigt spielerisch, wie selbstverständlich Inklusion im Alltag gelebt werden kann.



"Maris Märchen" ist ein warmherziges, wichtiges und zutiefst liebevolles Werk. Es vermittelt, dass jede Besonderheit Teil einer bunten Welt ist und dass jede Geschichte – so unterschiedlich sie auch sein mag – es verdient, erzählt zu werden. Für uns ist dieses Buch ein Paradebeispiel dafür, wie Kinderliteratur berühren, bilden und verbinden kann.

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