Der ewige Blonde sagt „Hello Again“ – und diesmal meint er das Ende
- Jenny B.

- vor 2 Tagen
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„Hello again! Ich sag’ einfach hello again...“ – Wer diese Zeilen liest, hat sofort das markante Timbre von Howard Carpendale im Ohr. Doch während dieser Song jahrzehntelang das Versprechen eines Wiedersehens war, schwingt bei seiner aktuellen Tournee ein neuer, wehmütiger Unterton mit. Der Mann, der den deutschen Schlager so entscheidend prägte wie kaum ein zweiter, bittet zum letzten Tanz.
Die Karriere von Howard Carpendale ist ein Phänomen, das eigentlich gegen alle Regeln des Showgeschäfts verstieß. Ein junger Südafrikaner kommt Ende der 60er Jahre nach Europa, versucht sich als Elvis-Imitator und landet schließlich in Deutschland. Was als kurzes Abenteuer geplant war, wurde zu einer Ära.
Carpendale war nie der klassische „Hossa“-Schlagersänger. Er brachte den Easy-Listening-Sound nach Deutschland, beeinflusst von den großen Entertainern aus Las Vegas. Mit Hits wie „Tür an Tür mit Alice“ oder „Nachts, wenn alles schläft“ bewies er, dass deutsche Texte und internationaler Pop-Appeal kein Widerspruch sein müssen. Er sang sich in die Wohnzimmer und Herzen einer Nation, die in ihm den charmanten Gentleman sah. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: „Ti amo – du sagst Ti amo“, das war nicht nur ein Refrain, es war die Erwartungshaltung eines Millionenpublikums, die ihn zeitweise fast erdrückte.
Es gab sie bereits, die Rücktritte vom Rücktritt. 2003 verabschiedete er sich schon einmal unter Tränen in Köln, nur um 2007 festzustellen: Das Feuer brennt noch. Viele lächelten damals, doch für Carpendale war es eine ehrliche Suche nach Sinnhaftigkeit. Er wollte nicht einfach nur „der Howard“ sein, er wollte Relevanz.
Auf seiner aktuellen Abschiedstournee „Let’s Do It Again“ wird deutlich, wie sehr er gereift ist.
Er präsentiert sich nicht als Relikt der Vergangenheit, sondern als ein Künstler, der weiß: „Die Wege, die wir gehn, sind manchmal steinig und oft schwer.“ Seine Stimme ist tiefer geworden, seine Moderationen nachdenklicher, sein Humor gewohnt trocken und britisch geprägt.

Das letzte Kapitel: Ein Abschied mit Stil
Wenn man ihn heute auf der Bühne beobachtet, sieht man einen Mann, der mit sich im Reinen ist. Die Setlist ist eine Zeitreise durch über 50 Jahre Musikgeschichte. Wenn das Licht gedimmt wird und die ersten Akkorde von „Spuren im Sand“ erklingen, wird es still in den großen Arenen. Es ist dieser eine Moment, in dem jedem im Publikum klar wird: Hier geht eine Ära zu Ende.
„Ich hab’ das alles schon mal gesehn, ich weiß genau, wie’s ist, wenn Träume untergehn.“
Doch Untergangsstimmung herrscht nicht. Es ist eher eine feierliche Dankbarkeit. Howard Carpendale liefert eine Show ab, die handwerklich perfekt ist – unterstützt von einer erstklassigen Band, ohne Playback-Tricks, dafür mit viel Gefühl.
Howard Carpendale hinterlässt eine Lücke, die im deutschen Entertainment so schnell niemand füllen wird. Er war der „King of Cool“ des Schlagers, der Mann mit dem Akzent, den jeder imitieren kann, und dessen Songs, jeder mitsingen kann. Wenn am Ende des Konzerts das Licht ausgeht, bleibt die Erkenntnis: Er hat seine Spuren im Sand hinterlassen und diese sind tief genug, um den Gezeiten der Zeit zu trotzen.


